Das Google-Handy Nexus One im ersten Praxistest

Nexus OneEinen Tag vor dem Start der Con­sumer Elec­tron­ics Show in Las Vegas hat Google auf seinem Firmen-Campus das “Nexus One” vorgestellt, das erste Smart­phone, dass direkt von Google online ver­mark­tet wird.

Die Teil­nehmer der Ver­anstal­tung, darunter der Ana­lyst Michael Garten­berg, zeigen sich mit der Hard­wareausstat­tung des von HTC in Tai­wan pro­duzierten Nexus One sehr zufrieden. In dem Gerät arbeitet ein flot­ter Snapdragon-Prozessor von Qual­comm mit einem Giga­hertz Tak­t­fre­quenz. So viel Power gabe es vor zwei, drei Jahren nur in einem voll aus­ge­bauten Lap­top. Bein­druckt hat das N1 die ersten Tester auch mit seinem AMOLED-Bildschirm.

Die Hardware-Spezifikationen im Überblick:

  • Dis­play: 3,7“ AMOLED 480x800 WVGA-Display
  • Tiefe: 11,5 mm; Gewicht: 130 g
  • Prozessor/Geschwindigkeit: Qual­comm Snap­dragon™ 8250-Prozessor, mit Tak­t­fre­quen­zen bis zu 1 GHz
  • Kam­era: 5-Megapixel-Autofokus mit Blitz und Geo-Tagging
  • Interner Spe­icher: 512 MB Flash, 512 MB RAM
  • Spe­icher­erweiterung: 4-GB-SD-Karte (erweit­er­bar bis 32 GB)
  • Geräuschun­ter­drück­ung: Dynamis­che Geräuschun­ter­drück­ung von Audi­ence Inc.
  • Anschlüsse: 3,5-mm-Stereokopfhörerbuchse mit vier Kon­tak­ten für kabel­ge­bun­dene Laut­stärk­eregelung und Fernbedienung
  • Akku: auswech­sel­bar, 1400 mAh
  • Per­son­al­isierte Laser­gravur: bis zu 50 Zeichen auf der Rück­seite des Telefons
  • Track­ball: drei­far­bige Benachrichtigungs-LED, informiert über neue E-Mails, Chats und SMS

In dem Gerät steckt eine vier GB große Micro-SD-Speicherkarte, man kann aber auch eine bis zu 32 GB große Karte ver­wen­den. Das Nexus One läuft mit der Ver­sion 2.1 von Android, die in weiten Teilen der Ver­sion 2.01 entspricht, die man vom Motorola Droid her kennt. Die Benutze­r­ober­fläche wurde etwas aufgeräumt und erscheint nun etwas mod­erner als die Vorgänger-Versionen.

Das Nexus One wird zunächst im englis­chen Sprachraum (USA, Großbri­tan­nien, Sin­ga­pur und Hongkong) ver­mark­tet. In den USA kostet das N1 mit einem Zwei­jahresver­trag von T-Mobile 179 Dol­lar, ohne Ver­trag 579 Dol­lar. Damit kön­nen sich auch Kun­den des anderen GSM-Netzes in den USAAT&T — ein Nexus One zule­gen. Allerd­ings unter­stützt das AT&T-Netz nicht das (auch in Europa benutzte) Fre­quen­zspek­trum für 3G (UMTS), so dass sich AT&T-Kunden mit EDGE-Datenverbindungen zufrieden geben müssen. Für Europa hat sich bere­its Voda­fone als Ver­trieb­spart­ner in Posi­tion gebracht. Das Nexus One wird aber auch hierzu­lande in einer ver­trags­freien Vari­anten online via Google ver­trieben werden.

Nexus OneFür den Mark­t­start in Deutsch­land, Öster­re­ich und in der Schweiz muss Google aber noch einige Hausauf­gaben erledi­gen. So ist unklar, ob die Spracherken­nungs­funk­tion der englis­ch­prachi­gen N1-Variante auch für die schweirige deutsche Sprache zur Ver­fü­gung ste­hen wird. Auch beim Google-Navigationssystem muss man abwarten, ob der Such­maschi­nengi­gant dieses Fea­ture auch außer­halb der USA bere­it­stellen kann. Hier spie­len weniger Lokalisierungs­fra­gen eine Rolle, son­dern die Recht­e­si­t­u­a­tion (Google hat die Karten von Google Maps nicht selbst hergestellt, son­dern lizenziert).

Michael Garten­berg ver­setzt sich in seinem Beitrag in die Lage eines Motorola-Kunden, der erst vor weni­gen Wochen das bish­erige Android-Spitzenmodell Droid gekauft hat und nun auf das Nexus One nei­disch sein kön­nte. Da Google für das N1 seinen eige­nen Marken­na­men mit in die Waagschale wirft, sei HTC beim Zugriff auf einige inno­v­a­tive Android-Features bevorzugt wor­den. Das Trostpflaster für die deprim­ierten Droid-Käufer: Auch ihr Smart­phone wird sich auf Android 2.1 upgraden lassen.

Mit der Vorstel­lung des Nexus One ist Android dem Ziel “Smart­phone für die Massen” einen wichti­gen Schritt näher gekom­men. Google wird mit Wucht (in den Online-Medien) dafür sor­gen, dass das N1 eine große Aufmerk­samkeit genießen wird. Es bleiben aber auch noch Dinge zu tun

  1. Anwen­dun­gen: Auch das N1 begrenzt den Spe­icher­platz für Apps auf 512 Megabyte. Das reicht für viele Wid­gets aus. Größere Spiele kann man damit nicht auf das Google-Handy brin­gen. Google muss in der Entwick­ler­szene auch noch für Android als Plat­tform wer­ben und Google Check­out als Bezahlal­ter­na­tive zum Apple iTunes-Store pushen.
  2. Sicher­heit: Das N1 hat im Gegen­satz zu Black­ber­rys von RIM oder dem Apple iPhone keine Ver­schlüs­selung für den inter­nen Spe­icher und bietet auch keine Remote-Löschfunktion an. Für den Ein­satz im Business-Umfeld ist dies aber notwendig.
  3. Exchange: Die Unter­stützung der Exchange-Plattform von Microsoft ist beim N1 nur spär­lich umge­setzt. Ins­beson­dere beim Zugriff auf ver­schiedene Exchange-Kalender und lokal gespe­icherte Kalen­der (Microsoft Out­look) gibt es noch Nach­holbe­darf. Die Grund­lage dafür ist aber schon vorhan­den: Schließlich hat Google ActiveSync von Microsoft lizenziert.
  4. PC-Sync: Google verzichtet bis­lang auf die Entwick­lung einer Soft­ware, mit der man lokal vorhan­dene Daten und Inhalte mit dem Smart­phone abgeglichen wer­den kön­nen. Dabei ist der Erfolg des iPhone von Apple in weiten Teilen auch ein Erfolg der iTunes-Software, mit der beispiel­sweise bequem am Com­puter Playlis­ten für den iPod oder das iPhone erstellt oder ein­mal gekaufte Anwen­dun­gen auf mehrere Mobil­geräte verteilt wer­den kön­nen. Dies wird durch die “Drag’n Drop”-Bestückung der Android-Phones nicht ansatzweise ersetzt. Auch bei dem Syn­chro­nisieren mit der “Cloud” kann Google von anderen ler­nen, beispiel­sweise von Palm. Dort beze­ich­net das Backup in der “Wolke” nicht nur Kontakt-Informationen, son­dern auch alle auf dem Palm Pre instal­lierten Anwen­dun­gen. Sollte der Pre ver­loren gehen und durch ein neues Gerät ersetzt wer­den, spielt die “Cloud” in einem Rutsch alle zuvor instal­lierten Apps auf das neue Smart­phone und der Anwen­der kann ohne Riesen-Aufwand dort weit­er­ar­beiten, wo er mit dem alten Gerät aufge­hört hat.

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