HTC G1, das Google-Handy von T-Mobile, im Praxistest

Das G1 von T-Mobile

Das G1 von T-Mobile

Wer Google für den Vorhof zur Hölle oder das Reich des Bösen hält, sollte sich besser ein anderes Smart­phone aus­suchen als das G1, das Google-Handy von T-Mobile. Dabei heißt das G1 gar nicht “Google-Phone”, son­dern wird beispiel­sweise von seinem Her­steller HTC Dream genannt. Nur ein dezen­ter Auf­druck auf der Rück­seite des Mobil­tele­fons (“with Google”) ver­rät, wer die Soft­ware für das jüng­ste Hightech-Gadget von T-Mobile eigentlich geschrieben hat. Doch das G1 ist durch und durch ein Google-Handy, denn ohne ein Konto bei dem Such­maschi­nengi­gan­ten läuft beim G1 fast nichts. “Google ist der Internet-Experte”, sagte Peter Chou, der Chef des G1-Herstellers HTC. Daher könne mit dem G1 die “best­möglich Internet-Erfahrung hergestellt werden.”

Das G1 ist das erste Handy, bei dem das von Google pro­gram­mierte Betrieb­ssys­tem Android zum Ein­satz kommt. Android ist eine Open Source Soft­ware, eine Plat­tform, die von ange­blich von mehr als 40 Mobilfunk-Anbietern, Handy-Herstellern und Branchen­zulief­er­ern unter­stützt wird. Allerd­ings lassen andere Android-Handys als das G1 auf sich warten. Zuletzt hatte die aus­tralis­che Firma des rus­sis­chen Geschäfts­man­nes Rus­lan Kogan die Veröf­fentlichung des Mobil­tele­fons Agora auf unbes­timmte Zeit ver­schoben. Ursprünglich sollte das Handy am 29. Jan­uar zum ver­gle­ich­sweise niedri­gen Preis von knapp 300 Au$ (152 Euro) in Aus­tralien ange­boten werden.

Und so hat sich das G1 im Prax­is­test bewährt: Die Ober­fläche fühlt sich ähnlich wie das Sys­tem des iPhone an. Allerd­ings lässt sich das Apple-Smartphone doch ein­facher bedi­enen als das G1. Während beispiel­sweise beim iPhone in den meis­ten Anwen­dun­gen der Bild­schirm vom Hoch– auf ein Quer­for­mat umschal­tet, wenn man das Gerät um 90 Grad dreht, tut sich beim G1 nichts – obwohl das Google-Handy wie das iPhone über einen Bewe­gungssen­sor ver­fügt. Erst wenn man die mit einem Schanier ver­bun­dene Quer­tas­tatur aus­fährt, schal­tet auch der Bild­schirm des G1 auf die hor­i­zon­tale Darstel­lung um. Außer­dem fehlt beim G1 die Möglichkeit, den Bild­schirm mit mehreren Fin­gern gle­ichzeitig zu bedi­enen (“Mul­ti­touch”), um beispiel­sweise bequem und intu­itiv in ein Foto oder eine Web­seite zoomen zu können.

Dem iPhone voraus ist das G1 beim Mul­ti­tasik­ing. Auf dem iPhone ist nicht vorge­se­hen, dass eine Anwen­dung im Hin­ter­grund läuft und bei Bedarf in den Vorder­grund geholt wird. Wer beispiel­sweise mit dem neuen Skype-Client auf dem iPhone arbeitet, kann die Anwen­dung nicht im Hin­ter­grund laufen lassen, son­dern muss sie vor dem Aufruf eines anderen Pro­gramms been­den. Das Android-System — und damit auch das G1 — unter­stützt dage­gen den Ablauf von mehreren Pro­gram­men gle­ichzeitig, wie in diesem Video gezeigt wird:

Zum ersten Start des G1 wird der Anwen­der nach seinem Google-Account gefragt. Wer noch kein Konto hat, kann es schnell anle­gen. Danach wer­den E-Mail-Konto und Kalen­der mit den Infor­ma­tio­nen syn­chro­nisiert, die bei Google im Netz gespe­ichert sind. Andere E-Mail-Konten, beispiel­sweise von GMX oder Yahoo, lassen sich auf dem G1 eben­falls schnell ein­richten. Diese Kon­ten laufen allerd­ings par­al­lel zum GMail-Konto in einer eige­nen Anwendung.

RoadSync von DataViz bringt dem G1 Exchange bei

RoadSync von DataViz bringt dem G1 Exchange bei

Die Kom­mu­nika­tion mit der gängi­gen Exchange-Infrastruktur von Microsoft, die in vie­len Unternehmen vorzufinden ist, beherrscht das G1selbst noch nicht. Inzwis­chen gibt es aber mehrere Lösun­gen von Drit­tan­bi­etern wie DataViz (RoadSync) und NitroDesk (Touch­Down), die eine Verbindung zur Microsoft-Infrastuktur her­stellen können.

Außer­dem hat Google mit­tler­weile für Android von Microsoft die ActiveSync-Technologie lizen­ziert, so dass das G1 in Zukunft wie das iPhone oder Windows-Mobile-Handys direkt mit einem Exchange-Server kom­mu­nizieren dürfte.

Google hat inzwis­chen den Android-Onlineshop “Mar­ket” eröffnet, der auf der Basis von Google Check­out läuft. Im Gegen­satz zum iTunes App Store von Apple für das iPhone haben die Entwick­ler von Android-Programmen für das G1 alle Frei­heiten. Apple hat in der Ver­gan­gen­heit immer wieder iPhone-Anwendungen aus den iTunes-App-Store ver­bannt, die das Geschäftsmod­ell von Apple oder den Providern in Frage gestellt hat­ten (Konkur­renten zu iTunes, VoIP-Software) oder ein­fach nur frag­würdig waren. Google dage­gen legt Wert auf die Fest­stel­lung, dass der Zugang zum “Mar­ket” nicht reg­uliert wird.

Auch eine Abspiel­soft­ware für Videos ist auf dem G1 stan­dard­mäßig nicht instal­liert, kann aber aus dem “Mar­ket” nachge­laden wer­den. Für Anwen­dung stellt das G1 nur 70 Megabyte inter­nen Spe­icher­platz zur Ver­fü­gung. Auf einer exter­nen Spe­icherkarte dür­fen die “Apps” nicht abgelegt werden.

Äußer­lich sieht das G1 ein wenig wie andere Mod­elle des tai­wane­sis­chen Her­stellers HTC aus, etwa die MDA-Serie. Die ausklapp­bare Tas­tatur des G1 wird Vieltip­per erfreuen, die mit einer Bild­schirm­tas­tatur wie beim iPhone nicht beson­ders gut klar kom­men. Allerd­ings hat das G1 von anderen HTC-Handys auch die Macke geerbt, dass kein nor­maler Kopfhör­erschluss (Klinke) vorhan­den ist. Vielmehr bietet das G1 nur eine pro­pri­etäre Mini-USB-Buchse für das Stereo-Signal. Dafür punk­tet das G1 aber mit einer aus­tauschbaren Bat­terie und einem Speicherkarten-Slot, in dem bis zu acht Giga­byte große MicroSD-Karten Platz finden können.

Im G1 steckt außer­dem ein GPS-Empfänger, der auf einer Google-Map den Stan­dort des Anwen­ders fest­stellen kann. Eine echte Nav­i­ga­tion­ssoft­ware, die jede Abbiegung laut ansagt, gibt es aber (noch) nicht.

Größter Schwach­punkt des G1 dürfte die Bat­terielaufzeit sein. Nach 3,5 Stun­den inten­siver Nutzung ist Schluss. Das ist deut­lich schlechter als bei iPhone, bei dem sich die User schon über eine zu kurze Akku-Laufzeit bekla­gen. Da der Akku des G1 aus­ge­tauscht wer­den kann, gibt es beim G1 immer­hin eine Alter­na­tive zu Lösun­gen wie Pow­er­Mon­key, mit denen sich iPhone-User im All­tag von der Steck­dose zumindst zeitweise unab­hängig machen.

In den Rezen­sio­nen der Kol­le­gen in den USA erhielt das G1 gemis­chte Noten. David Pogue von der “New York Times” lobte die Soft­ware und kri­tisierte die Hard­ware, die ihm zu klo­big erscheint. “Mit so vie­len Köchen war es unwahrschein­lich, dass auch nur einer die Schön­heit, Ein­fach­heit und Klarheit im Design des iPhones erre­ichen wird.” Das G1 sei aber das erste – und nicht das let­zte Android-Telefon. “Es wird sie dem­nächst in allen möglichen For­men und Größen geben.” Immer­hin ist in Deutsch­land das Netz von T-Mobile viel besser als in den USA, so dass die Note “ungenü­gend” von Pogue für das T-Mobile-Netz hierzu­lande keine Rolle spie­len sollte.

Walt Moss­berg vom “Wall Street Jour­nal” beschrieb das G1 in seiner Rezen­sion als “Gottes­geschenk für die Leute, die eine physikalis­che Tas­tatur (statt einer Bild­schirm­tas­tatur) haben wollen und Teil der neuen Welt der wun­der­baren Taschen­com­puter sein wollen.”

Unter­schiedliche Mei­n­un­gen gibt es zum Ansatz von Google, das G1 als reinen Net­z­com­puter zu posi­tion­ieren. Matthias Kremp von Spiegel Online schreibt: “Im Gegen­satz zu Apples Handy, das man noch manuell und per Software-Download aktu­al­isieren muss, sollen (beim G1) unter anderem, Betriebssystem-Updates automa­tisch über das Mobil­funknetz auf das G1 überspielt wer­den. Genau das dürfte auch einer der größten Unter­schiede zwis­chen G1 und iPhone sein. Während das iPhone Inhalte des Com­put­ers mobil macht, E-Mail und Inter­net zum Mit­nehmen bietet, ist das Google-Handy vol­lkom­men darauf aus­gelegt, ständig Verbindung zum Daten­netz zu hal­ten. Es löst sich vol­lkom­men vom Com­puter — und das macht es gut.” Ich dage­gen ver­misse eine Anwen­dung wie iTunes, mit der man bequem Songs, Videos und Apps für das Mobil­tele­fon man­a­gen und schnell syn­chro­nisieren kann.

Ist das G1 aber wirk­lich das “bessere iPhone”, wie Spiegel Online titelt? Zumin­d­est T-Mobile glaubt selbst nicht daran, denn es ver­mark­tet das G1 deut­lich bil­liger als das Apple-Smartphone. Die monatlichen Grund­preise liegen je nach Tarif zwis­chen 25 und 120 Euro. Die Verträge haben jew­eils 24 Monate Laufzeit. Das Gerät kostet ohne Tarif 450 Euro. Mit Tarif liegen die Preise zwis­chen 1 und 60 Euro.

- Der kleine Tarif Combi Flat XS für 25 Euro enthält bei einem Gerätepreis von 60 Euro nur 200 MB HSDPA-Nutzung; Gespräche kosten 29 Cent je Minute und SMS 19 Cent.
– Der Tarif Combi Flat S für 45 Euro je Monat umfasst eine Daten­fla­trate und kosten­lose Gespräche entweder ins Fes­t­netz oder T-Mobile-Netz. Andere Gespräche kosten 29 Cent. Das Gerät gibt es dann für 1 Euro.
– Der Tarif Combi Flat M für rund 60 Euro je Monat enthält eine Daten­flat und kosten­lose Gespräche ins Fes­t­netz und zu T-Mobile; Gespräche in andere Netze wer­den mit 29 Cent je Minute berech­net. Gerätepreis: 1 Euro.
– Der Tarif Combi Flat L für 120 Euro umfasst eine Daten– und Sprach­flat im Inland, 3000 SMS und 100 MMS. Auch in diesem Tarif kostet das Gerät 1 Euro

Tarifta­belle Pri­vatkun­den
Tarifta­belle Geschäftskunden

Daten­blatt G1 von T-Mobile

Das meint übrigens der Kol­lege Axel Postinett vom Han­dels­blatt zum G1:
Das G1 im Test — Tech­nolo­gie — IT + Telekom­mu­nika­tion — IT + Inter­net — Handelsblatt.com


Wer­be­trailer für das G1 für T-Mobile von HTC

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